Konflikte sind Chancen

Anja ArensKonfliktmanagement
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Richtiger Umgang mit Auseinandersetzungen


Auseinandersetzungen sind Bestandteil unseres Lebens. Ob im privaten oder beruflichen Umfeld: Überall, wo sich Menschen in Beziehungen befinden, können Konflikte entstehen. Sie können als Streit in einer Ehe, einer defizitären Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen Gruppen oder innerhalb von Gruppen usw. stattfinden. Bedingt durch verschiedene Bedürfnisse, Vorstellungen und Ansprüche sind Konflikte unvermeidbar, aber in vielen Fällen lösbar!


Dass wir unterschiedliche Ziele und Interessen verfolgen, dabei andere Werte zugrunde legen, ist oft Ursache einer Auseinandersetzung. Das Streben nach sozialer Anerkennung oder nach materiellem Gewinn kann Menschen schnell in Streit bringen. Unterschiedliche Haltungen und Annahmen von Konfliktparteien dürfen sein – der Umgang kann zu einem anderen Ausgang führen als zum Zerwürfnis.


Um Beziehungen dauerhaft tragfähig zu gestalten, sind ein wertschätzender Umgang und ein offener Dialog auch in schwierigen Situationen unerlässlich. Ignorierte Konflikte verschwinden nicht einfach, sondern behindern die tägliche Arbeit im Unternehmen, rauben Energie und Ressourcen und führen teilweise sogar zu völliger Handlungsunfähigkeit. Ärger, Spannungen, Auseinandersetzungen, evtl. der Verlust von Aufträgen sind die Folge. Objektivität ist dann nicht mehr zu finden. Konsequenzen sind unwürdiges Verhalten, wie z.B. Mobbing, Drohungen, Vorwürfe usw. Sätze wie „Dem werde ich es zeigen“ oder „Mit mir kann man so nicht umgehen“ sind dann oft zu hören. Aus „kleinen“ Missverständnissen werden oft große Streitigkeiten.


Man unterscheidet verschiedene Ebenen und Eskalationsstufen (nach einem Modell von Friedrich Glasl):


Ebene 1

  1. Verhärtung der Meinungen und Standpunkte
  2. Polarisation des Denkens, Fühlens und Wollens (Schwarz-Weiß-Denken)
  3. Taten statt Worte


Ebene 2

  1. Sorge um Image und Koalition
  2. Gesichtsverlust
  3. Drohstrategie 


Ebene 3

  1. Begrenzte Vernichtungsschläge
  2. Zersplitterung
  3. Gemeinsam in den Abgrund


Während die Ebene 1 durchaus durch Selbsthilfe oder Moderation einer unparteilichen dritten Person gelöst werden kann, ist in der Ebene 2 eine Auflösung des Konfliktes meistens nur unter Zuhilfenahme einer professionellen Prozessbegleitung erfolgversprechend. Hierdurch kann wieder eine Vertrauensbasis zwischen den Beteiligten geschaffen werden. Ist jedoch die dritte Ebene erreicht, so hilft weitestgehend nur noch ein Machteingriff von außen (z.B. Justiz).


Bei der Konfliktlösung ist es wichtig, zuerst einmal die Positionen der Parteien vollständig zu erfassen. Wer vertritt welche Position? Allein diese Frage kann in der Regel ohne Hilfe und Allparteilichkeit einer unabhängigen Person nicht beantwortet werden. Unaufrichtigkeit – oft aus Not, Nachlässigkeit und Hartnäckigkeit – verhindert eine offene Kommunikation. Strukturelle Konflikte beispielsweise sind auf der Sachebene zu lösen, während Gefühls- oder Wertekonflikte auf der Beziehungsebene zu lösen sind. Häufig sind die vordergründigen Streitpunkte nicht ursächlich, sondern schon Nebenschauplätze. Hier gilt es, die Geschichte hinter der Geschichte zu erforschen, die Interessen herauszuarbeiten. Dann bestehen gute Chancen, eine Lösung herbeizuführen. Im täglichen Miteinander ist daher ein konstruktiver Umgang förderlich, sogar unerlässlich, um eine Eskalation eines Konfliktes zu vermeiden. Je früher ein Konflikt verbalisiert und respektvoll aufgearbeitet wird, umso einfacher gestaltet sich die Lösung in einer Form, in der keiner der Beteiligten einen Gesichtsverlust erleidet. Dies ist für ein zukünftiges gutes Miteinander äußerst wichtig.


Konflikte als Chance zur Weiterentwicklung

Professionell gesteuert, kann ein Konflikt zum Gewinn aller Parteien werden. Konflikten kommt durchaus eine bedeutende Funktion zu, daher ist es wichtig, sie zu würdigen und die Aufmerksamkeit darauf zu richten, anstatt sie unter den Teppich zu kehren.


Häufig schaffen sie eine Problemtransparenz und sind somit Anstoß für Änderungsprozesse, stärken die Beziehung zwischen Beteiligten und bieten Chancen zur Weiterentwicklung des Unternehmens und der eigenen Persönlichkeit. Um den ersten Schritt in die Konfliktlösung zu schaffen, ist es wichtig, die eigenen Emotionen zu erkennen, zu würdigen und eine vertrauensvolle Basis für ein Gespräch zu schaffen. Unerlässlich für jede Konfliktlösung ist die Bereitschaft aller beteiligten Parteien, die Auseinandersetzung beizulegen.


In einer offenen Kommunikation ist es dann möglich, die Themen und Sichtweisen zu erläutern, um anschließend die Bedürfnisse, Gefühle und Interessen zu erfahren. Gemeinsam können Handlungsoptionen und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Konkrete Vereinbarungen helfen, um die weitere Zusammenarbeit zu gestalten. Deren Umsetzung sollte in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, Abweichungen sind natürlich möglich, müssen aber besprochen bzw. geklärt werden.


Fazit: Mit dem richtigen Umgang kann ein Konflikt ein Geschenk sein!


Anja Arens | golfmanager 04/2018 | Den Link zum Artikel im golfmanager finden Sie hier.

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